Man spricht oft über das Leben mit Multiple Sklerose.

Seltener spricht man über das Leben daneben.

Ich bin Angehörige.

Nicht betroffen – und doch betroffen genug, um zu wissen: MS verändert nicht nur einen Körper, sondern Beziehungen, Rollen und den Blick auf den Alltag.

Ich habe gelernt, genauer hinzusehen.

Nicht aus Neugier, sondern aus Liebe.

Ich erkenne an kleinen Zeichen, wie dein Tag beginnt.

Am Zögern beim Aufstehen.

Am kurzen Atemholen, bevor du losgehst.

An deinem Blick, wenn du spürst, dass heute ein langsamerer Tag sein wird.

Als die Diagnose kam, wollte ich stark sein.

Ich sammelte Informationen, stellte Fragen, suchte nach Lösungen.

Erst später begriff ich:

Was du am meisten brauchst, ist nicht mein Wissen – sondern mein Dableiben.

Es gibt Tage, an denen ich nichts tun kann.

Ich kann deine Müdigkeit nicht wegnehmen.

Deine Schmerzen nicht lindern.

Deine Unsicherheit nicht auflösen.

Und genau dann lerne ich, einfach neben dir zu sein.

Manchmal schweigend.

Manchmal mit einem Lachen, das mehr trägt, als Worte es könnten.

Manchmal mit meiner eigenen Angst, die ich leise halte.

Du kämpfst nicht dramatisch.

Du kämpfst im Alltag.

Im Aufstehen.

Im Weitermachen.

Im Akzeptieren von Grenzen – ohne dich von ihnen definieren zu lassen.

Ich lerne von dir, dass Stärke nicht laut sein muss.

Dass Mut oft unsichtbar ist.

Und dass Liebe bedeutet, das Tempo anzupassen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

An guten Tagen gehen wir gemeinsam voraus.

An schweren Tagen gehe ich langsamer – oder bleibe einfach stehen.

Ich kann deine MS nicht tragen.

Aber ich kann dich tragen.

Mit Geduld.

Mit Verständnis.

Mit jedem Schritt, den wir gemeinsam gehen.

Und manchmal ist genau das genug.

 Für Angehörige

Du musst nicht immer stark sein.

Du musst nicht alle Antworten kennen.

Es reicht, da zu sein.

Denn niemand geht diesen Weg allein –

auch wenn er sich manchmal so anfühlt.

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