Manchmal frage ich mich, warum die Welt denkt, dass Multiple Sklerose nur aus großen, dramatischen Momenten besteht. Für mich sind es oft die kleinen Dinge, die den Tag zu einem Abenteuer machen. Heute: Socken anziehen.
Klingt harmlos? Falsch.
Ich setzte mich auf die Bettkante, griff nach einer Socke – und merkte sofort: meine Finger arbeiten heute nicht mit. Sie fühlen sich fremd an, schwerfällig, als hätten sie beschlossen, heute Urlaub zu nehmen. Ich versuchte, die Socke über meine Zehen zu ziehen. Sie glitt weg, rutschte runter, landete auf dem Boden. Meine Balance? Kaum vorhanden. Ich kippte leicht zur Seite, meine Katze sah das als Einladung, die Socke zu fangen und quer durch das Zimmer zu schleppen.
Ich atmete tief durch. „Okay“, dachte ich, „ein Schritt nach dem anderen.“ Ich nahm die Socke, platzierte sie wieder auf meinem Fuß, spürte den Kampf zwischen meinem Willen und meinem Körper. Nach einem dritten Anlauf, ein paar leisen Flüchen und unzähligen Sekunden, in denen ich mich fragte, ob ich das jemals schaffen würde, saß sie endlich – schief, aber da.
Die zweite Socke war ein eigenes Abenteuer. Ich brauchte Geduld, Koordination, Konzentration. Ich lachte über mich selbst, weil es absurd war: Socken. Ein so alltäglicher Gegenstand. Und doch fühlte es sich an wie ein Sieg über eine kleine, unsichtbare Hürde.
Als ich schließlich beide Socken anhatte, lehnte ich mich zurück und spürte einen Moment des Stolzes. Nicht weil es perfekt war. Nicht weil es leicht war. Sondern weil ich nicht aufgegeben hatte. Weil ich weitergekämpft habe – trotz MS, trotz des frustrierten Körpers, trotz der kleinen Niederlagen.
Das ist das, was einen Daily Warrior ausmacht. Nicht die großen Heldentaten, sondern die kleinen Siege im Alltag. Die Momente, in denen du denkst: „Ich kann nicht“ – und dann merkst: Doch, du kannst. Auch wenn es schief, holprig oder unperfekt ist.